Interviews
Wir begrüßen heute einen erfahrenen Weltenbummler, der aktuell in Wien lebt, viel unterwegs ist und weltweit mit namhaften Marken arbeitet. Als multidisziplinärer Kreativprofi übernimmt er das Location-Scouting und die Produktionsleitung, während seine Leidenschaft für die Fotografie seine Arbeit perfekt ergänzt. Im jetzigen Gespräch werden wir uns außerdem dem Hintergrund seiner Reisen widmen.
Reisen als Lebensphilosophie
Im Gespräch mit Terence Eder, geführt von Gabor Nyaradi.
Was war deine allererste Reise?
Terence:
Meine erste große Reise, werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Ich war gerade einmal neun Jahre alt, als ich allein von Johannesburg nach Wien geflogen bin, um meine Tante und meinen Onkel zu besuchen. Für ein Kind war das ein riesiges Abenteuer. Ich erinnere mich noch gut an die Mischung aus Aufregung, Neugier und ein bisschen Angst, als ich zum ersten Mal ohne meine Eltern unterwegs war.
In Wien war plötzlich alles anders: die Sprache, die Gebäude, die Menschen und die gesamte Atmosphäre. Obwohl wir uns anfangs sprachlich kaum verständigen konnten, fanden wir mit einem Übersetzungsgerät schnell einen Weg, miteinander zu kommunizieren. Gerade diese kleinen Herausforderungen machten die Reise für mich besonders spannend.
Schloss Schönbrunn, der Prater und eine Schifffahrt auf der Donau nach Bratislava gehören zu meinen schönsten Erinnerungen. Noch heute habe ich das Bild der vorbeiziehenden Landschaft vor Augen, während im Hintergrund der Donauwalzer gespielt wurde. Damals habe ich zum ersten Mal gespürt, wie groß und vielfältig die Welt ist. Diese Reise hat etwas in mir geweckt, das mich bis heute begleitet: die Neugier auf andere Länder, Menschen und Kulturen.
Reist du auf der Suche nach etwas oder um die Reise selbst willen?
Terence:
Für mich war Reisen nie eine Suche nach einem bestimmten Ziel. Ich reise nicht, um irgendwo anzukommen, sondern um unterwegs zu sein.
Die schönsten Momente entstehen oft ungeplant: ein Gespräch mit einem Fremden, ein verstecktes Café in einer kleinen Seitengasse, ein Sonnenuntergang an einem Ort, von dem man vorher noch nie gehört hat. Genau diese Augenblicke machen jede Reise besonders.
Jedes Land, jede Stadt und jede Begegnung eröffnen einen neuen Blick auf die Welt. Reisen bedeutet für mich, ständig dazuzulernen und offenzubleiben. Ich glaube, dass man durch das Unterwegssein nicht nur andere Orte entdeckt, sondern auch immer wieder etwas Neues über sich selbst erfährt. Die eigentliche Belohnung liegt für mich deshalb nicht im Ankommen, sondern im Entdecken.
Du musst vielen interessanten Menschen begegnet sein. Welche Eigenschaft verbindet sie alle?
Terence:
Wenn ich auf meine Reisen zurückblicke, denke ich zuerst an die Menschen und erst danach an die Orte. Menschen sind für mich die Seele eines Landes. Sie prägen die Atmosphäre, die Geschichten und letztlich auch die Erinnerungen, die man mit nach Hause nimmt.
Was mich immer wieder fasziniert, ist, wie ähnlich wir Menschen uns eigentlich sind. Natürlich unterscheiden sich Sprachen, Traditionen und Lebensweisen. Aber unabhängig davon, ob man sich in Afrika, Europa, Asien oder Amerika befindet: Familie, Freundschaft, Liebe und das Gefühl, dazuzugehören, spielen überall eine wichtige Rolle.
Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf die Welt verändert. Sie hat mich gelehrt, anderen Menschen das Gefühl, dazuzugehören, und Unterschiede nicht als Barriere, sondern als Bereicherung zu sehen. Deshalb empfehle ich besonders jungen Menschen, möglichst früh zu reisen. Wer die Welt kennenlernt, entwickelt nicht nur Verständnis für andere Kulturen, sondern gewinnt auch ein besseres Verständnis für sich selbst.
Du hast ein sehr bewegtes Berufsleben, aber auch beeindruckende Fotografien. Kannst du uns mehr über deine Fotografie erzählen?
Terence:
Fotografie ist für mich eine ganz besondere Art des Reisens. Sie zwingt mich dazu, langsamer zu werden und genauer hinzusehen.
Während viele Menschen bekannte Sehenswürdigkeiten fotografieren, interessieren mich oft die Details, die andere übersehen. Eine alte Tür, verwitterte Pflastersteine, ein versteckter Innenhof oder die Struktur einer historischen Fassade erzählen manchmal mehr über einen Ort als die berühmtesten Wahrzeichen.
Obwohl Menschen für mich das Herz einer Stadt sind, versuche ich häufig, sie nicht in meinen Bildern zu zeigen. Ich warte auf den richtigen Moment, suche nach dem passenden Blickwinkel und habe oft Geduld, bis sich eine Szene genau so zeigt, wie ich sie wahrnehmen möchte. Dadurch entstehen Bilder, die selbst an stark besuchten Orten eine besondere Ruhe ausstrahlen.
Ich hoffe, dass meine Fotografien Menschen dazu inspirieren, genauer hinzusehen und die Schönheit in den kleinen, oft übersehenen Dingen zu entdecken.
Welche Rolle spielt Wien in deinem Leben? Was bedeutet Glück für dich?
Terence:
Wien hat in meinem Leben einen ganz besonderen Platz. Schon als Kind hat mich die Stadt fasziniert, und über die Jahre ist eine tiefe Verbundenheit entstanden. Ich liebe die einzigartige Kombination aus Geschichte, Kultur und Lebensqualität. Die prachtvolle Architektur, die grünen Parks, die Kaffeehauskultur und die lebendigen Märkte verleihen Wien einen Charme, den ich nur selten anderswo gefunden habe.
Besonders genieße ich den Sommer hier. Gleichzeitig bleibt Südafrika immer ein wichtiger Teil meiner Identität. Dort liegen meine Wurzeln, und deshalb verbringe ich die Winter gerne in meiner Heimat auf der Südhalbkugel.
Die größte Bedeutung hat Wien für mich allerdings aus einem ganz persönlichen Grund. Während der COVID-Pandemie begegnete ich hier völlig unerwartet meiner großen Liebe. Diese Begegnung hat mein Leben verändert und zwei Menschen, zwei Kulturen und zwei Heimaten miteinander verbunden.
Wenn du mich fragst, was Glück bedeutet, dann ist die Antwort eigentlich ganz einfach: Freiheit. Die Freiheit, neugierig zu bleiben, offen für neue Erfahrungen zu sein und die Welt mit staunenden Augen zu betrachten. Ich weiß nicht, wo ich eines Tages endgültig zu Hause sein werde. Aber vielleicht liegt genau darin das Glück: zu wissen, dass hinter jeder Wegbiegung noch eine neue Geschichte auf mich wartet.
Reisen als Lebensphilosophie
Im Gespräch mit Terence
Was war deine allererste Reise?
Terence:
Meine erste große Reise werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Ich war gerade einmal neun Jahre alt, als ich allein von Johannesburg nach Wien geflogen bin, um meine Tante und meinen Onkel zu besuchen. Für ein Kind war das ein riesiges Abenteuer. Ich erinnere mich noch gut an die Mischung aus Aufregung, Neugier und ein bisschen Angst, als ich zum ersten Mal ohne meine Eltern unterwegs war.
In Wien war plötzlich alles anders: die Sprache, die Gebäude, die Menschen und die gesamte Atmosphäre. Obwohl wir uns anfangs sprachlich kaum verständigen konnten, fanden wir mit einem Übersetzungsgerät schnell einen Weg, miteinander zu kommunizieren. Gerade diese kleinen Herausforderungen machten die Reise für mich besonders spannend.
Schloss Schönbrunn, der Prater und eine Schifffahrt auf der Donau nach Bratislava gehören zu meinen schönsten Erinnerungen. Noch heute habe ich das Bild der vorbeiziehenden Landschaft vor Augen, während im Hintergrund der Donauwalzer gespielt wurde. Damals habe ich zum ersten Mal gespürt, wie groß und vielfältig die Welt ist. Diese Reise hat etwas in mir geweckt, das mich bis heute begleitet: die Neugier auf andere Länder, Menschen und Kulturen.
Reist du auf der Suche nach etwas oder um die Reise selbst willen?
Terence:
Für mich war Reisen nie eine Suche nach einem bestimmten Ziel. Ich reise nicht, um irgendwo anzukommen, sondern um unterwegs zu sein.
Die schönsten Momente entstehen oft ungeplant: ein Gespräch mit einem Fremden, ein verstecktes Café in einer kleinen Seitengasse, ein Sonnenuntergang an einem Ort, von dem man vorher noch nie gehört hat. Genau diese Augenblicke machen jede Reise besonders.
Jedes Land, jede Stadt und jede Begegnung eröffnen einen neuen Blick auf die Welt. Reisen bedeutet für mich, ständig dazuzulernen und offenzubleiben. Ich glaube, dass man durch das Unterwegssein nicht nur andere Orte entdeckt, sondern auch immer wieder etwas Neues über sich selbst erfährt. Die eigentliche Belohnung liegt für mich deshalb nicht im Ankommen, sondern im Entdecken.
Du musst vielen interessanten Menschen begegnet sein. Welche Eigenschaft verbindet sie alle?
Terence:
Wenn ich auf meine Reisen zurückblicke, denke ich zuerst an die Menschen und erst danach an die Orte. Menschen sind für mich die Seele eines Landes. Sie prägen die Atmosphäre, die Geschichten und letztlich auch die Erinnerungen, die man mit nach Hause nimmt.
Was mich immer wieder fasziniert, ist, wie ähnlich wir Menschen uns eigentlich sind. Natürlich unterscheiden sich Sprachen, Traditionen und Lebensweisen. Aber unabhängig davon, ob man sich in Afrika, Europa, Asien oder Amerika befindet: Familie, Freundschaft, Liebe und das Gefühl, dazuzugehören, spielen überall eine wichtige Rolle.
Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf die Welt verändert. Sie hat mich gelehrt, anderen Menschen das Gefühl, dazuzugehören, und Unterschiede nicht als Barriere, sondern als Bereicherung zu sehen. Deshalb empfehle ich besonders jungen Menschen, möglichst früh zu reisen. Wer die Welt kennenlernt, entwickelt nicht nur Verständnis für andere Kulturen, sondern gewinnt auch ein besseres Verständnis für sich selbst.
Du hast ein sehr bewegtes Berufsleben, aber auch beeindruckende Fotografien. Kannst du uns mehr über deine Fotografie erzählen?
Terence:
Fotografie ist für mich eine ganz besondere Art des Reisens. Sie zwingt mich dazu, langsamer zu werden und genauer hinzusehen.
Während viele Menschen bekannte Sehenswürdigkeiten fotografieren, interessieren mich oft die Details, die andere übersehen. Eine alte Tür, verwitterte Pflastersteine, ein versteckter Innenhof oder die Struktur einer historischen Fassade erzählen manchmal mehr über einen Ort als die berühmtesten Wahrzeichen.
Obwohl Menschen für mich das Herz einer Stadt sind, versuche ich häufig, sie nicht in meinen Bildern zu zeigen. Ich warte auf den richtigen Moment, suche nach dem passenden Blickwinkel und habe oft Geduld, bis sich eine Szene genau so zeigt, wie ich sie wahrnehmen möchte. Dadurch entstehen Bilder, die selbst an stark besuchten Orten eine besondere Ruhe ausstrahlen.
Ich hoffe, dass meine Fotografien Menschen dazu inspirieren, genauer hinzusehen und die Schönheit in den kleinen, oft übersehenen Dingen zu entdecken.
Welche Rolle spielt Wien in deinem Leben? Was bedeutet Glück für dich?
Terence:
Wien hat in meinem Leben einen ganz besonderen Platz. Schon als Kind hat mich die Stadt fasziniert, und über die Jahre ist eine tiefe Verbundenheit entstanden. Ich liebe die einzigartige Kombination aus Geschichte, Kultur und Lebensqualität. Die prachtvolle Architektur, die grünen Parks, die Kaffeehauskultur und die lebendigen Märkte verleihen Wien einen Charme, den ich nur selten anderswo gefunden habe.
Besonders genieße ich den Sommer hier. Gleichzeitig bleibt Südafrika immer ein wichtiger Teil meiner Identität. Dort liegen meine Wurzeln, und deshalb verbringe ich die Winter gerne in meiner Heimat auf der Südhalbkugel.
Die größte Bedeutung hat Wien für mich allerdings aus einem ganz persönlichen Grund. Während der COVID-Pandemie begegnete ich hier völlig unerwartet meiner großen Liebe. Diese Begegnung hat mein Leben verändert und zwei Menschen, zwei Kulturen und zwei Heimaten miteinander verbunden.
Wenn du mich fragst, was Glück bedeutet, dann ist die Antwort eigentlich ganz einfach: Freiheit. Die Freiheit, neugierig zu bleiben, offen für neue Erfahrungen zu sein und die Welt mit staunenden Augen zu betrachten. Ich weiß nicht, wo ich eines Tages endgültig zu Hause sein werde. Aber vielleicht liegt genau darin das Glück: zu wissen, dass hinter jeder Wegbiegung noch eine neue Geschichte auf mich wartet.
Alle Fotos wurden von Terence Eder für das Interview bereitgestellt. Keine weitere Verwendung der Fotos ohne Genehmigung möglich.